Berufung und Spiritualität

Berufung und Spiritualität

Brauchen wir einen Gott, um unsere Berufung zu finden und zu leben? – Berufung und Spiritualität scheinen ja eng aufeinander bezogene Begriffe zu sein. Schließlich stellen wir uns ja auch die Frage: Berufung? – Wer ruft?

Du sagst vielleicht: „Ist doch klar! Eine Innere Stimme ruft!“ Und bevor ich Dich nun frage, welche Instanz in Dir diese Innere Stimme wohl sein mag, würde ich gerne mit Dir darüber übereinkommen, dass Du bestimmt nicht alle Eingebungen Deiner Inneren Stimme als Berufung bezeichnen möchtest. (Das Lustvolle und biologisch Triebhafte, die ganze Notwendigkeit sei hier, in diese Betrachtung, mit einbezogen.)

Brauchen wir einen Gott für unsere Berufung?

Brauchen wir einen Gott um unsere Berufung zu erkennen? – Vor der Beantwortung dieser größeren Frage steht noch die Beantwortung einer kleineren Frage: Was nutzt es uns denn, unsere Berufung zu erkennen? Welchen Nutzen haben wir von der Erkenntnis unserer Berufung, wenn wir unsere Berufung erkannt haben?

Bei der Beantwortung dieser Frage nach dem Nutzen gerate ich in Verlegenheit: Nicht, weil ich keine Antwort kennen würde. Sondern weil ich eine gewisse Ehrfurcht vor diesen heiligen Dingen habe und weder marktschreierisch wie eine Werbesendung oder ein Fernseh-Shopping-Kanal noch irgendwie überheblich und arrogant klingen möchte. Vor allem: nicht sein möchte. Die größte Unaufrichtigkeit, die ich in dieser Frage aber wohl begehen könnte, wäre der Verrat! Wenn ich schweigen würde, statt die Wahrheit meiner Überzeugung auszusprechen, so gut ich dieses eben kann. (Sokrates lässt grüßen!)

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Mit der Suche nach dem Guten haben wir uns nun doch ganz unauffällig und unbemerkt auf die Frage nach der Existenz eines Gottes zubewegt. Denn Gott ist ja – zumindest in der Sokratisch-Platonischen Philosophie – der Inbegriff des Guten. D.h. Gott ist gut und er ist immer gut. Und alles, was wir als gut bezeichnen ist dem Guten ähnlich und ein Werk es Guten. So auch wenn wir durch den vielfachen Nutzen einer Erkenntnis der Berufung feststellen können, dass die Erkenntnis unserer Berufung etwas Gutes ist. Und wenn wir nicht zu sehr in die Irre gehen heißt das auch, dass die Berufung selbst etwas Gutes ist. Denn welchen Nutzen könnte die Erkenntnis von etwas bergen?

Und so ergibt sich nach den bisherigen Betrachtungen: Offenbar gibt es einen Gott oder etwas Göttliches ist, das allseits und allezeit gut ist. Also: Es gibt einen Gott! Und unsere Berufung ist etwas göttliches. Und ihre Erkenntnis ist gut und bringt uns Nutzen!